Warum Portugiesisch studieren

Zur Verbreitung und Bedeutung der portugiesischen Sprache

Das Portugiesische gehört heute mit rund 210 Mio. Muttersprachlern nach dem Chinesischen, dem Spanischen, Englischen, Bengali und Hindi zu den sechs meist gesprochenen Sprachen der Welt. Es verfügt außerdem über eine der höchsten Zuwachsraten an Sprecherzahlen. Schätzungen der UNO gehen davon aus, dass die Bevölkerungszahlen Brasiliens und der sogenannten PALOP-Staaten (Países Africanos de Língua Oficial Portuguesa – Afrikanische Staaten mit Portugiesisch als offizieller Sprache ) bis 2050 doppelt so hoch sein werden wie heute, d.h. der internationale Stellenwert des Portugiesischen könnte sich sogar noch erhöhen.

Gewiss ergibt sich die Bedeutung einer Sprache nicht allein aus der Zahl ihrer Sprecher, denn das internationale Gewicht einer Sprache hängt auch eng mit wirt-schaftlichen Faktoren wie Handelsbilanz und Bruttoinlandprodukt zusammen. Da aber Brasilien einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands (der größte in Lateinamerika) ist und im Mercosul eine führende Rolle spielt, ist die portugiesischsprachige Welt auch unter wirtschaftlichem Aspekt von Interesse.

Unter den romanischen Sprachen ist Portugiesisch nach Spanisch (ca. 370 Mio.) die zweitverbreitetste und wird von deutlich mehr Menschen gesprochen als das Französische (ca. 116 Mio.).

Die Portugiesisch-Sprecher sind über vier Kontinente verteilt:

  • Europa: Portugal
  • Amerika: Brasilien
  • Afrika: Angola, Mosambik, Kap Verde, Guinea-Bissau, São Tomé e Príncipe
  • Asien: Indien (Goa), Indonesien (Ost-Timor), China (Macau). [Bemerkung der Port.-Bras. Abteilung: „Osttimor wurde 1975 völkerrechtswidrig von Indonesien besetzt. Nach langem Kampf wurde das Land am 20. Mai 2002 unabhängig und noch im selben Jahr als 191. Nation in den Vereinten Nationen aufgenommen."]

Der Status des Portugiesischen fällt jedoch in diesen Ländern sehr unterschiedlich aus:

  • Portugal und Brasilien: homogen einsprachig, Bilinguismus in Grenzgebieten;
  • Kap Verde und São Tomé e Príncipe : Portugiesisch und portugiesisch-basiertes Kreol;
  • Guinea-Bissau, Angola, Mosambik: Portugiesisch, afrikanische Sprachen, Guinea-Bissau auch crioulo.

In Portugal ist Portugiesisch die einzige Muttersprache der gesamten Bevölkerung. Auch Brasilien gilt heute als monolinguales Land. Die gesamte Bevölkerung spricht Portugiesisch, abgesehen von ca. 350.000 Angehörigen amerindischer Bevölkerungsgruppen, die lediglich autochthone Sprachen beherrschen, und etwa 300.000 Immigranten auf portugiesischem Boden mit anderen Muttersprachen.

In Mosambik und Angola ist Portugiesisch die offizielle Staatssprache. Aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums und der hohen Urbanisierungsrate nimmt die Zahl der Sprecher, die Portugiesisch in diesen Ländern als Muttersprache haben oder als Verkehrssprache erwerben, ständig zu. In Guinea-Bissau, auf den Kapverdischen Inseln, auf São Tomé und Príncipe ist das Portugiesische, neben dem Kreolportugiesischen, offizielle Sprache. In den o.g. Ländern Asiens bestehen lediglich kleine Sprachgemeinschaften, in denen nur noch die ältere Generation das Portugiesische beherrscht.

Man kann summa summarum von den folgenden Sprecherzahlen ausgehen:

  • 184 Mio. Brasilianer;
  • 10,5 Mio. Portugiesen;
  • 4 Mio. Portugiesisch-Sprecher im Ausland, vor allem in Frankreich, Südafrika, Kanada, USA, Venezuela, Deutschland und Australien;
  • 8-10 Mio. Portugiesisch-Sprecher in Afrika;
  • ca. 5000 Portugiesisch-Sprecher in Asien.

In der Zukunft wird v.a. Brasilien schon allein aufgrund seiner Bevölkerungszahl, aber v.a. wegen seiner wirtschaftlichen und nicht zuletzt auch kulturell-medialen Stärke die Rolle des entscheidenden Sprachträgers des Portugiesischen zukommen.

 

(aus: Endruschat, Annette / Schmidt-Radefeldt, Jürgen: Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft, Tübingen: Narr, 2006, S. 6-7)

 

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Letzte Änderung: 11.08.2011
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