Diskurspartikeln und Kognition
DPKog

"Informationsstruktur des Textes in den romanischen SprachenLogo Dpkog 20 87


Eine experimentelle und sprachvergleichende Untersuchung zur Verarbeitung der syntaktischen Position der Konstituenten und Fokuspartikeln"


Projektförderung durch den Innovationsfonds FRONTIER der Universität Heidelberg
Projektlaufzeit: 2013 - 2015


Kurzbeschreibung

Das durch den Innovationsfonds FRONTIER der Universität Heidelberg geförderte Projekt zur Informationsstruktur des Textes in romanischen Sprachen untersuchte experimentell sprachliche Parameter, die die Informationsstrukturierung in schriftlichen Texten bedingen. Bei diesen handelte es sich konkret um die Veränderung der syntaktischen Position der Äußerungskonstituenten und um den Gebrauch von Diskurspartikeln.

Durch experimentelle und kontrastive Studien sollten einige der aus theoretisch-despkriptiven Arbeiten herovrgehenden Hypothesen zur Fokussierung von Äußerungskonstituenten bestätigt werden, die durch die Zuweisung einer syntaktisch markierten Position, die linke Randstellung in der Äußerung, oder durch die Verwendung von Diskurspartikeln zustande kommt, die die Information bereichern und konventionelle Implikaturen auslösen.
Die Forschungsmethode basierte auf Studien des selbstgesteuerten Lesens (self-paced reading): Einerseits wurden die Augenbewegungen während des Lesens aufgezeichnet (eye-tracking), um den kognitiven Aufwand zu messen, andererseits wurden Tests zur Überprüfung des tatsächlichen Verständnisses der Inferenzen durchgeführt. Die Verwendung dieser experimentellen Methoden in Ergänzung zu den theoretischen und deskriptiven Studien, an denen die Projektbeteiligten in Zusammenarbeit mit internationalen Forschungsgruppen gearbeitet haben, zeichnete das Projekt als besonders innovativ aus. Über das Projekt wurden so der Aufbau eines internationalen Netzwerkes ermöglicht und die Fortführung der Forschungslinie „Diskurspartikeln, Informationsstruktur und Kognition“ konsolidiert.

 

Forschungslinien und Projektbeteiligte

Unser FRONTIER-Projekt umfasste zwei Forschungslinien: die Forschungslinie unter Prof. Dr. Óscar Loureda legt Nachdruck auf die experimentelle Linguistik. In der Anfangsphase des Projekts wurde in erster Linie die experimentelle Methodologie zur Untersuchung der Informationsstruktur im Diskurs konzipiert. Dies geschah im Austausch der Forschungsgruppe DPKog (unter Leitung von Prof. Dr. Óscar Loureda) mit Forschungsgruppen aus Potsdam (unter Leitung von Prof. Dr. Barbara Höhle), Saarbrücken (unter Leitung von Dr. Vera Demberg), Münster (unter Leitung von Prof. Dr. Christine Dimroth) und Utrecht (unter Leitung von Prof. Dr. Ted Sanders), die im Bereich der psycholinguistischen Forschung zu Spracherwerb, Verstehens- und Produktionsprozessen fest etabliert sind. Die dadurch geschaffenen Grundlagen des Experimentdesigns vereinfachten die Konzipierung neuer Experimente und erweiterten somit die Datenerhebung auf Projekte mit kurzen Fristen, etwa bei Forschungsaufenthalten von IAZ-Kurzzeitstipendiaten

Laura Nadal, die als eine von zwei Promovierenden am Projekt beteiligt war, verfolgte diese erste Forschungslinie und konzentrierte sich auf argumentative Konnektoren. In der Anfangsphase ihres Dissertationsprojekts (Betreuung: Prof. Dr. Óscar Loureda) untersuchte sie drei Typen von argumentativen Konnektoren und führte hierzu zwischen November 2013 und Januar 2014 eine Reihe von Experimenten mit 240 Probanden durch. In dieser Pilotphase konnte sie feststellen, dass die gegenargumentativen Relationen zwischen Diskurssegmenten höhere Verarbeitungskosten erfordern als die konsekutiven und additiven Relationen, und dass unter dieser Bedingung das Vorhanden- oder Nicht-Vorhandensein eines Konnektors entscheidend für die Ableitung der zu erwartenden Inferenzen ist. Auf dieser Grundlage hat Laura Nadal ihr Dissertationsvorhaben thematisch auf die Analyse des spanischen Konnektors sin embargo und dessen Einfluss auf die Informationsverarbeitung eingeschränkt. Die zweite Phase der Datenerhebung fand im Februar 2015 statt. Für die Leseproben wurden 140 Studenten mit Spanisch als Muttersprache aus der Universität Valencia herangezogen. Für die statistische Analyse pflegt Laura Nadal seit Oktober 2015 den aktiven Kontakt zur Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Helmut Küchenhoff vom Institut für Statistik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die zweite komplementäre Forschungslinie des Projekts oblag der Leitung von Prof. Dr. Sybille Große und widmete sich kontrastiven empirischen Untersuchungen auf der Basis der Korpuslinguistik.

Julia Morof trug als Doktorandin des Projekts zur Entwicklung dieser zweiten empirischen Forschungslinie bei. Julia Morof arbeitet zu den beiden argumentativen Operatoren des Französischen en principe und du coup und konnte im Rahmen der Frontier-Förderung die thematische Ausrichtung ihres Dissertationsvorhabens überprüfen und verfeinern. Für die gewählten französischen Operatoren fehlen Korpusstudien beträchtlichen Umfangs, auf deren Grundlage Hypothesen für die experimentelle Arbeit formuliert werden können. Der internationalen Vernetzung Rechnung tragend und im Sinne einer breiteren Berücksichtigung der französischen Partikeln entspricht ihr Dissertationsvorhaben einer binationalen Promotion unter der gemeinsamen Betreuung von Prof. Dr. Sybille Große (Romanisches Seminar, Universität Heidelberg) und Prof. Dr. Catherine Schnedecker (Université Strasbourg EA 1339, LILPA).

 

Arbeitsergebnisse und Ausblick

Die wesentlichen Ergebnisse des Projekts sind in einer Reihe von Publikationen festgehalten. Zudem sind vier im Rahmen des übergeordneten Projekts DPKog koordinierte Monographien in Bearbeitung: Im Nachgang zum 4. Internationalen Symposiums „Diskursmarker in den romanischen Sprachen“ sollen ein Band zu kontrastiven Studien zu Diskursmarkern („Marcadores del discurso y lingüística contrastiva en las lenguas románicas“) und ein Band zu Diskursmarkern, Kognition und Spracherwerb („Discourse markers, cognition and language acquisition“) entstehen; die Ergebnisse der thematischen Sektionen auf den internationalen Kongressen XI Congreso Internacional de Lingüística General in Pamplona 2014 und 14th International Pragmatics Conference in Antwerpen 2015 sollen in einem Band zur Anwendung von experimentellen Methoden auf die Partikelforschung („New approaches to the study of discourse markers“) festgehalten werden. Die Ergebnisse der im Jahr 2015 in Zusammenarbeit mit den IAZ-Kurzzeitstipendiaten durchgeführten Experimente sollen Teil einer Publikation werden, in der alle Diskurspartikeltypen aus einer kognitiven Perspektive beschrieben werden („Los marcadores del discurso y el análisis experimental“). Die Veröffentlichung dieser Bände ist für Ende 2016 geplant.

Über das Projekt und im Rahmen des übergeordneten Projekts DPKog wurde zudem ein internationales Netzwerk zum wissenschaftlichen Austausch mit Forschungsgruppen aufgebaut, die im Bereich der Partikelforschung und der Forschung zu Informationsverarbeitungsmodellen ausgewiesen sind.

Unter Leitung des IAZ ist darüber hinaus ein Netzwerk der Universität Heidelberg im iberoamerikanischen Raum im Entstehen begriffen, dass experimentellen Untersuchungen auf Diskursebene gewidmet ist (RIEDE). Das Netzwerk basiert auf der interdisziplinären Kooperation zwischen Sprachwissenschaftlern, Psycholinguisten, Informatikern und Statistikern in der Organisation von Lehre und Forschung sowie in der technischen und strukturellen Projektbetreuung.Vor allem Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler, die zu diskursbezogenen Fragestellungen arbeiten, sollen in diesem Netzwerk einen Rahmen für die Anwendung einer begründeten experimentellen Methodologie auf die Diskursforschung finden.

Verantwortlich: Webmaster
Letzte Änderung: 15.12.2016
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