SUCHE
Bereichsbild

2. Promotion

2.1 Ausgangslage

Die Promotion bildet die Basis nahezu jeder wissenschaftsorientierten Karriere. Deshalb kommt der Doktorandenausbildung strategische Bedeutung bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und bei der Profilierung der Universitäten zu. Mit ca. 1000 Promotionen pro Jahr zählt die Universität Heidelberg zu den führenden Ausbildungsstätten für Doktoranden in Deutschland und darüber hinaus. Sie hat deshalb ein besonderes Interesse daran, die hohe Qualität der Doktorandenausbildung zu sichern und zu verbessern und damit die Wettbewerbsfähigkeit ihres wissenschaftlichen Nachwuchses zu stärken.

Die Bedeutung der Promotion für Wissenschaft und Gesellschaft wird in Zukunft weiter zunehmen. Da der Nachweis der besonderen wissenschaftlichen Qualifikation für eine Professur künftig nicht mehr ausschließlich über eine Habilitation, sondern auch über eine Juniorprofessur oder eine Nachwuchsgruppenleitung erbracht werden kann, wird der Promotion zusätzliches Gewicht zukommen. Bei den EU-Forschungsrahmenprogrammen wird ein zunehmender Teil der Finanzmittel für die individuelle und institutionelle Promotionsförderung vergeben. Hinzu kommt der zunehmende internationale Wettbewerb um die besten Nachwuchswissenschaftler, der auch durch die Vereinheitlichung des europäischen Bildungsraumes verstärkt wird.

Die Doktorandenausbildung in Deutschland genießt national und international einen guten Ruf. Um diese hohe Reputation zu sichern und weiter auszubauen, muss das Promotionswesen jedoch weiterentwickelt und optimiert werden. Im Mittelpunkt der Überlegungen müssen die Bedürfnisse und die Zukunftschancen der Promovenden stehen. Die Universität Heidelberg wird bei der Modernisierung der Doktorandenausbildung den unterschiedlichen Fächerkulturen Rechnung tragen und den Fakultäten weitreichenden Gestaltungsspielraum belassen.

In den vergangenen Jahren haben sich auch die außeruniversitären Forschungseinrichtungen verstärkt um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses bemüht und dafür Promovenden angeboten, ihre Forschungsarbeiten an ihren Einrichtungen unter zumeist sehr guten Bedingungen durchzuführen. Die Universität Heidelberg begrüßt dieses Engagement, legt aber Wert darauf festzustellen, dass die Durchführung des Promotionsverfahrens in der Hand der Universitäten verbleiben muss. Um allen Doktoranden möglichst optimale Bedingungen für ihre Forschungsarbeiten bieten zu können, soll die Zusammenarbeit der Universität mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen intensiviert und ausgebaut werden.

2.2 Generelle Zielsetzungen

Die Bemühungen zur weiteren Verbesserung der Doktorandenausbildung sollten insbesondere auf folgende Ziele ausgerichtet sein:

  • Die Promotionszeiten sollen insgesamt verkürzt werden. Das durchschnittliche Promotionsalter in Deutschland ist mit 33 Jahren (2003) höher als in anderen vergleichbaren Ländern. Auch die Dauer der Promotionsphase ist mit 4,5 Jahren (2002/03) relativ hoch. Obwohl dieses Problem schon Mitte der Neunzigerjahre erkannt wurde, ist das Alter der Absolventen und die Promotionsdauer in den letzten Jahren weiter gestiegen. Ziel der Verbesserungsbemühungen muss deshalb sein, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass in der Regel eine Promotion längstens innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden kann.
  • Hervorragende Rahmenbedingungen und effiziente Auswahlverfahren sollen gewährleisten, dass die besten Nachwuchswissenschaftler für eine Promotion gewonnen werden können. Zugleich wird angestrebt, den Anteil besonders qualifizierter ausländischer Doktoranden zu erhöhen.
  • Die Betreuung der Doktoranden soll intensiviert werden.
  • Es soll sichergestellt werden, dass qualifikationsbezogene Aufgaben absolute Priorität gegenüber sonstigen Dienstleistungsaufgaben genießen, um eine konzentrierte Arbeit an der eigenen Forschungsarbeit zu ermöglichen.
  • Im Rahmen der Promotion sollen verstärkt Angebote zur interdisziplinären Zusammenarbeit und zur Aneignung von über das Dissertationsvorhaben hinausgehenden Fachkenntnissen und von Schlüsselqualifikationen eingerichtet werden. Forschungsaufenthalte im Ausland sollen gefördert werden.
  • Die internationale Wahrnehmbarkeit der Forschungsergebnisse von Doktoranden soll gefördert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, wird die Universität Heidelberg

  • in möglichst allen Wissenschaftsbereichen strukturierte Promotionsprogramme anbieten,
  • eine "Graduiertenakademie Heidelberg" als übergreifendes Dach für sämtliche Promotionsprogramme schaffen, um jedem Doktoranden der Universität die Möglichkeit zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen zu bieten (vgl. Abschnitt 2.5, Seite 3),
  • förderliche Rahmenbedingungen für jene Promotionsvorhaben schaffen, bei denen eine Einbindung in ein strukturiertes Promotionsprogramm nicht sinnvoll erscheint (nachfolgend "Einzelpromotionen" genannt)
  • ihre Kooperationen mit außeruniversitären Einrichtungen und renommierten internationalen Partnerhochschulen ausbauen,
  • die Möglichkeiten für Dissertationen in englischer, französischer und in begründeten Ausnahmefällen einer anderen Sprache erweitern und die Veröffentlichung herausragender Forschungsergebnisse durch eine maximal halbjährige Publikationsphase im Anschluss an die Promotion fördern (vgl. Abschnitt 2.7, 3. Absatz).

2.3 Strukturierte Promotionsprogramme

Der Wissenschaftsrat und die Hochschulrektorenkonferenz haben in ihren jeweiligen Stellungnahmen insbesondere die flächendeckende Einführung strukturierter Promotionsprogramme empfohlen. Die Universität Heidelberg ist auf diesem Weg bereits ein gutes Stück vorangekommen und verfügt über eine Vielzahl strukturierter Programme, darunter fünfzehn Graduiertenkollegs insbesondere in den Natur- und Lebenswissenschaften. Trotzdem bedarf es noch erheblicher Anstrengungen, um dieser Empfehlung in vollem Umfang gerecht zu werden. Insbesondere in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften besteht hierfür noch erheblicher Nachholbedarf.

Nach der Überzeugung der Universität Heidelberg sind neben strukturierten Programmen auch Einzelpromotionen in vielen Disziplinen weiterhin wissenschaftlich unverzichtbar. Es bereitet Sorge, dass die Promotionsförderung immer stärker ausschließlich auf strukturierte Promotionsprogramme ausgerichtet wird. Die Universität Heidelberg setzt sich mit Nachdruck für eine Beibehaltung auch der Einzelförderung ein. Dennoch müssen in allen Fakultäten die Bemühungen verstärkt werden, strukturierte Promotionsprogramme anzubieten.

Die Universität Heidelberg dokumentiert die Qualität ihrer strukturierten Promotionsprogramme durch universitätsweit geltende Qualitätsstandards, belässt aber den Graduiertenschulen und Promotionskollegs einen breiten Spielraum für die fachspezifische Ausgestaltung der Programme. Die Qualitätsstandards legen fest, welchen allgemeinen Grundsätzen strukturierte Promotionsprogramme der Universität Heidelberg entsprechen müssen. Dazu gehören insbesondere folgende Elemente:

  • Internationale Ausschreibung der Promotionsprogramme
  • Kompetitive Auswahl der Doktoranden
  • Bei Bedarf Vorschaltung einer Qualifizierungsphase (im Rahmen eines integrierten Masterprogramms oder durch ein spezielles Trainingsmodul)
  • Abschluss einer Vereinbarung zwischen Doktorand und Betreuer(kollegium), in der Promotionsthema, Dauer, Rechte und Pflichten sowie ein in der Regel auf drei Jahre angelegter Arbeitsplan festgelegt sind
  • Ergänzung der Beziehung zwischen Hauptbetreuer und Doktorand durch Elemente einer kooperativen Betreuung und Verantwortlichkeit in einem von mehreren Hochschullehrern getragenen Kollegium
  • Festlegung eines vom Umfang her sinnvoll bemessenen promotionsbegleitenden Lehrprogramms
  • Förderung des fächerübergreifenden Austausches und des Erwerbs von Zusatzqualifikationen im Rahmen der Interdisziplinären Doktorandenkollegs der Graduiertenzentren
  • Regelmäßige Zwischenbewertung des Fortschritts des Dissertationsprojekts
  • Förderung der internationalen Dimension des Programms durch Gastvorträge, Gastdozenten, Teilnahme an Kongressen, Aufenthalte an auswärtigen Partnerinstitutionen etc.

2.4 Förderliche Rahmenbedingungen für Einzelpromotionen

Einzelpromotionen bieten ein hohes Maß an Flexibilität, Eigenverantwortlichkeit und Gestaltungsfreiheit, so dass diese Form der Promotion für bestimmte wissenschaftliche Projekte auch weiterhin als angemessen angesehen werden muss. Die Universität Heidelberg setzt sich deshalb nachdrücklich für den Erhalt der Einzelpromotionen ein, verkennt aber nicht die mit diesem Promotionsmodell verbundenen Probleme.

Daher sollen im Interesse der Doktoranden durch Übernahme einiger Elemente der strukturierten Promotionsprogramme Rahmenbedingungen geschaffen werden, die auch bei Einzelpromotionen einen universitätsweiten Qualitätsstandard sichern und zu einer deutlichen Verbesserung der Betreuung sowie zusätzlichen Qualifizierungsmöglichkeiten führen. Als verbindliche Standards gehören hierzu:

  • Abschluss einer Vereinbarung zwischen Doktorand und Betreuer, in der Promotionsthema, Dauer sowie insbesondere ein auf in der Regel drei Jahre angelegter Arbeitsplan festgelegt sind,
  • regelmäßige Erörterung des Fortschritts des Dissertationsprojekts,
  • Einbindung der Doktoranden in die Interdisziplinären Doktorandenkollegs der Graduiertenschulen zur Förderung des fächerübergreifenden Austausches und des Erwerbs von Zusatzqualifikationen.

Darüber hinaus empfiehlt die Universität allen Beteiligten, auch folgende Elemente für Einzelpromotionen einzuführen:

  • Ergänzung der Beziehung zwischen Hauptbetreuer und Doktorand in Form einer kooperativen Betreuung und Verantwortlichkeit durch weitere Fachvertreter,
  • Durchführung von Workshops der Doktoranden eines Faches / einer Fächergruppe mit Präsentationen der Promotionsprojekte,
  • Einbindung von Doktoranden in laufende Forschungsprojekte,
  • Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen durch Einwerbung von Stipendien und Drittmittelprojekten.

2.5 Graduiertenakademie Heidelberg

Um die Profilierung ihrer Doktorandenausbildung weiter voranzutreiben, gründet die Ruperto Carola eine "Graduiertenakademie Heidelberg". Auf dem Fundament der "Graduiertenakademie Heidelberg" sollen alle Promotionsangebote zusammengefasst und in Graduiertenschulen nach Möglichkeit miteinander vernetzt werden.

Die Graduiertenschulen bilden den Rahmen für Kooperation, Austausch und gemeinsame Aktivitäten unterschiedlicher Graduiertenprogramme, bieten Ausbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten von programmübergreifendem Interesse an und gestalten die inhaltlichen und strukturellen Aspekte der Promotionsangebote entsprechend den universitätsweit geltenden Qualitätsstandards für strukturierte Programme. Die Graduiertenakademie richtet in Zusammenarbeit mit den Graduiertenschulen ein "Interdisziplinäres Doktorandenkolleg" ein; dieses baut ein fächerübergreifendes Veranstaltungs-, Qualifizierungs- und Betreuungsangebot auf.

Mit der Gründung einer "Graduiertenakademie Heidelberg" verdeutlicht die Universität die Breite und die Qualität ihrer Graduiertenausbildung auch nach außen. Die Akademie sorgt für ein einheitliches und professionelles Auftreten aller Promotionsangebote der Universität, legt die universitätsweit geltenden Qualitätsstandards für strukturierte und traditionelle Angebote fest , fördert den Austausch zwischen den einzelnen Wissenschaftsbereichen und koordiniert das Angebot nicht fachspezifischer Qualifizierungsveranstaltungen. Die Geschäftsführung der Graduiertenschulen und der Promotionskollegs wird, soweit möglich, aus der Graduiertenakademie administrativ unterstützt. Die überfachlichen Qualifizierungsangebote der Graduiertenakademie einschließlich hochschuldidaktischer Kurse stehen sowohl Doktoranden als auch Habilitanden, Postdoktoranden und Nachwuchsgruppenleitern offen.

2.6 Kooperation mit außeruniversitären Einrichtungen

Eine der großen Stärken der Universität Heidelberg ist ihre Vernetzung mit den zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen im unmittelbaren Umfeld Heidelbergs (Heidelberg-Area). Die Kooperationen mit diesen Institutionen sind intensiv und erfolgreich. Auf dem Gebiet der Nachwuchsförderung müssen die vorhandenen Potentiale für eine institutionelle Zusammenarbeit jedoch noch besser genutzt werden. Die gemeinsam mit außeruniversitären Forschungsinstituten und renommierten internationalen Partnerhochschulen eingerichteten Promotionsprogramme werden in die Struktur der "Graduiertenakademie Heidelberg" integriert. Bei allen Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist sicherzustellen, dass das Promotionsverfahren in der ausschließlichen Verantwortlichkeit der Fakultäten der Universität Heidelberg verbleibt und die Verleihung des Promotionsrechts an Nachwuchsgruppenleiter an die im Abschnitt 5 genannten Kriterien geknüpft wird (vgl. Abschnitt 5, Seite 21).

Die Fakultät für Biowissenschaften und das EMBL unterhalten bereits seit dem Jahr 2002 erfolgreich ein "Joint PhD Program", dem die Medizinischen Fakultäten im Jahr 2005 beitreten werden. Ab dem Jahr 2005 wird ein Promotionskolleg (Research School) für Astronomie in Kooperation mit den Heidelberger Max-Planck-Instituten für Kernphysik bzw. für Astronomie eingerichtet. Die Universität strebt an, weitere Kooperationen mit den Max-Planck-Instituten sowie mit dem DKFZ und der GSI (beide Helmholtz-Gemeinschaft) aufzubauen. Im nächsten Schritt sollen zusammen mit den Max-Planck-Instituten jeweils ein Promotionskolleg für die Lebenswissenschaften und im Bereich der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie ein Promotionskolleg in Kooperation mit dem DKFZ (Helmholtz-Kolleg) realisiert werden. Bei allen Promotionsprogrammen, die gemeinsam mit außeruniversitären Partnerinstitutionen eingerichtet werden, muss die Zuordnung zur Universität Heidelberg sowohl in der Lang- als auch in der Kurzfassung des Namens deutlich zum Ausdruck kommen.

2.7 Internationale Wahrnehmbarkeit von Forschungsergebnissen

Die internationale Beachtung von Forschungsergebnissen, die in Heidelberg erreicht wurden, liegt im Interesse der Universität, des Instituts, der Betreuer und der Nachwuchswissenschaftler. Die Universität Heidelberg wird deshalb die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, dass Dissertationen auch in englischer, französischer und in begründeten Ausnahmefällen einer anderen Sprache eingereicht werden können, sofern dies dem Thema der Arbeit entspricht. Dabei muss ein akzeptables sprachliches Niveau ggf. durch Testat eines Muttersprachlers gewährleistet werden. Um die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in angesehenen Verlagen und internationalen Fachzeitschriften zu ermöglichen, soll herausragenden doctores für ihre Dissertation im Anschluss an ihre Promotion eine Publikationsphase von maximal sechs Monaten gewährt werden. Die Mittel dafür werden den Instituten von der Universität bzw. von den medizinischen Fakultäten auf Antrag zur Verfügung gestellt.

E-Mail: Seitenbearbeiter
Letzte Änderung: 30.06.2009
zum Seitenanfang/up