Reformation und Diakonie

Dass die Reformation entscheidende Entwicklungen in der Neugestaltung sozialer Versorgung – in der Fernwirkung bis hin zu den modernen Sozialstaaten – initiiert, zumindest aber beschleunigt hat, ist allgemein weitgehend anerkannt. Forschungen der letzten Jahre richteten sich insbesondere auf die in dieser Hinsicht wichtigen konfessionellen Differenzierungen und ihre sozialpolitischen Konsequenzen.

Was demgegenüber kaum erforscht ist, sind die tatsächlichen Zusammenhänge zwischen den theologischen reformatorischen Grundentscheidungen (Rechtfertigungslehre) und dem sozialen Engagement der Christen bzw. der Kirchen. Das in dieser Hinsicht bis heute nach wie vor leitende Narrativ bezieht sich auf Luthers Freiheitschrift und konstatiert einen zwingenden – wenn auch nicht zu erzwingenden – Zusammenhang der Erfahrung der Rechtfertigung und der (spontanen) Praxis der Liebe. Der Zuspruch der Liebe Gottes führe quasi „automatisch“ dazu, dass ein Mensch einen Anderen liebe. Begründungen von Diakonie haben oft hier ihren Dreh- und Angelpunkt. Wie aber, so wird diese Tagung fragen, vollzieht sich diese „Automatik“ tatsächlich? Wie wird Rechtfertigung damals und heute „erfahren“ – und wie folgt daraus eine Praxis der Liebe? Welche Praxis ist damit überhaupt gemeint?

 

Kontakt:

Prof. Dr. Johannes Eurich
Diakoniewissenschaftliches Institut
Karlstraße 16
69117 Heidelberg

Ansprechpartner:
Frau Lucia Weber
Tel.: +49 (0)6221 54 3336
Email: lucia.weber@dwi.uni-heidelberg.de

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Letzte Änderung: 20.12.2017
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